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Du stehst vor der Entscheidung, dir dein erstes oder ein neues Wingfoil Board zuzulegen, und liebäugelst mit einem Inflatable? Kein Wunder: Der Transport im Auto ist ein Traum, kein Dachgepäckträger ist nötig, und im Urlaub kriegst du das Board problemlos in den kleinsten Mietwagen.

Ich habe das Experiment gewagt. Ein ganzes Jahr lang war ich ausschließlich mit einem aufblasbaren Wingfoil Board unterwegs. Mein Fazit? Für die Reise ist es ein genialer Kompromiss, weil das Packmaß unschlagbar ist. Für meinen Heimatsee zu Hause habe ich es allerdings wieder verkauft.

In diesem Artikel erfährst du die echten Nachteile eines Inflatable Wingfoil Boards, die dir kein Herstellerprospekt verrät, und warum die Wahl des Reviers am Ende den entscheidenden Unterschied macht.

Der größte Pluspunkt vorweg: Warum ich es überhaupt gekauft habe

Versteh mich nicht falsch: Aufblasbare Boards haben absolut ihre Daseinsberechtigung. Wenn du einen kleinen Kofferraum hast oder im Keller kaum Platz ist, sind sie ein Segen. Es passt zusammengerollt in einen großen Rucksack, ist extrem robust gegen Dellen und verzeiht harte Stürze auf den Boardrand (und schont den eigenen Kopf).

Fliegen mit dem Inflatable: Machen wir uns nichts vor – fürs Flugzeug zahlst du auch mit einem Inflatable in der Regel den Aufpreis für Sportgepäck, da der Rucksack meist zu schwer und groß für das normale Freigepäck ist. Die Kosten sparst du dir also nicht. Der riesige Vorteil auf Reisen ist aber ein anderer: Am Zielflughafen passt der Rucksack mühelos in jeden günstigen Kleinwagen-Mietwagen. Ein starres, langes Hardboard-Bag zwingt dich dagegen oft dazu, direkt einen teuren SUV oder Kombi zu buchen, weil es sonst nicht ins Auto passt.

Als reines Reise-Board bekommt das Inflatable von mir nach wie vor eine glatte Eins.

Die 4 entscheidenden Nachteile eines Inflatable Wingfoil Boards

Warum habe ich es also für meinen Homespot aufgegeben? Nach einer Saison auf dem Wasser kristallisierten sich vier gravierende Schwachpunkte heraus, die mir auf Dauer den Spaß geraubt haben:

1. Das „Kaugummi-Gefühl“ (Verzögertes Feedback)

Selbst wenn du das Board auf die empfohlenen 15 bis 18 PSI aufpumpst und eine steife Carbon- oder Glasfaserplatte unter dem Standbereich verbaut ist: Ein Inflatable ist niemals so steif wie ein Hardboard.

  • Die Auswirkung: Wenn du Druck auf den Mast gibst oder das Board aktiv anpumpst, verpufft ein Teil deiner Energie im Material. Das Feedback vom Foil kommt minimal verzögert an. Es fühlt sich insgesamt schwammiger an. Wer einmal den direkten, knackigen Impuls eines Hardboards gespürt hat, vermisst diese Präzision beim Inflatable schmerzlich.

2. Späteres Angleiten und schlechteres „Abperlen“

Die Kanten eines aufblasbaren Boards sind bauartbedingt rund. Zwar kleben viele Hersteller mittlerweile Silikon-Abrisskanten an das Heck, aber an die hydrodynamische Performance eines Hardboards kommt das einfach nicht heran.

  • Die Auswirkung: Das Board saugt sich beim Anfahren länger am Wasser fest. Während meine Kumpels auf ihren Hardboards bei Leichtwind schon auf dem Foil standen, musste ich deutlich mehr arbeiten, um überhaupt erst einmal die nötige Abhebegeschwindigkeit zu generieren.

3. Das „Sticky“-Verhalten bei Touchdowns

Wenn man einmal fliegt, ist alles gut. Aber wir alle kommen mal runter – sei es bei einer verpatzten Halse oder einer plötzlichen Windböe.

  • Die Auswirkung: Wenn ein Hardboard das Wasser berührt, titscht es meistens elegant ab und du fliegst weiter (Touch-and-Go). Das Inflatable verhält sich eher wie ein nasser Sack: Es bremst abrupt ab („Sticky-Effekt“). Mich hat es dadurch regelmäßig bei Manövern vom Board geworfen, die auf einem Hardboard locker weitergegangen wären.

4. Der Nerv-Faktor am Homespot: Das Auf- und Abpumpen

Auf Reisen nimmt man den Aufwand zähneknirschend in Kauf. Aber wenn du nach Feierabend mal eben für eine Stunde an deinen Haussee fahren willst, sieht die Welt anders aus.

  • Die Auswirkung: Während die Hardboard-Fahrer ihr Board aus ihrem Bus ziehen, den Mast drunter schrauben und im Wasser sind, stehst du erst einmal 10 Minuten pumpend am Ufer und schwitzt schon vor der Session. Am Ende des Tages das Ganze retour: Trocknen lassen, Luft raus, sauber zusammenlegen. Am eigenen See schlägt Bequemlichkeit einfach Packmaß.

Passend zum Thema: Wenn du neben dem richtigen Board auch noch am Grübeln bist, welche Wing-Größe du für die nächste Session einpacken sollst, hilft dir mein Ratgeber weiter. Im Artikel Welche Wing-Größe bei 15 Knoten? habe ich dir eine praktische Tabelle und meine persönlichen Erfahrungswerte für perfekten Vortrieb zusammengestellt.

Der direkte Vergleich am Haussee: Inflatable vs. Hardboard

KriteriumAufblasbares Board (Inflatable)Festes Board (Hardboard)
Transport & LagerungÜberragend (Rucksack)Sperrig (Dachträger/Kombi)
RobustheitKeine Angst vor Steinen/DellenEmpfindlich gegen Kratzer
Aufbauzeit am See10–15 Min. (Aufpumpen nötig)Sehr schnell (Direkt startklar)
Leichtwind-PerformanceZähes AngleitenSchnelles Abheben
Kontrolle & FeedbackLeicht schwammigDirekt und präzise

Mein Erfahrungsfazit: Für wen lohnt sich das Inflatable?

Nach einem Jahr intensiver Nutzung lautet mein persönliches Resümee: Es kommt ganz darauf an, wo du am häufigsten fährst.

  • Kauf es, wenn: Du hauptsächlich im Urlaub wingst, deine Destinationen mit kleinen Mietwagen ansteuerst, extrem wenig Lagerplatz im Keller hast oder ein fehlerverzeihendes Board für die allerersten Schritte suchst.
  • Lass es lieber, wenn: Du einen festen Homespot vor der Haustür hast, du das Board im Auto oder Keller lagern kannst und du nach den ersten Basics schnelle Fortschritte bei Halse, Wende oder Sprüngen machen willst.

Ich habe den Wechsel zurück zum Hardboard an meinem See keine Sekunde bereut. Das direkte Fahrgefühl und der schnelle Sprung aufs Wasser sind mir die Logistik beim Transport dreimal wert.


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